Großeltern nehmen eine unersetzliche Rolle im Familienleben ein: Sie vermitteln Identität und Werte, bieten emotionale Stabilität, ergänzen die Erziehung der Eltern und schlagen Brücken zwischen Generationen. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, die Eltern zu ersetzen oder zu leiten, sondern darin, sie zu begleiten, zu unterstützen und den Alltag durch Erfahrung, Zuneigung und Besonnenheit zu bereichern. Richtig ausgeführt, stärkt ihre Rolle die Familie, fördert die ganzheitliche Entwicklung der Kinder und trägt zur sozialen Kohäsion bei.
Wurzeln und Identität: Hüter der Erinnerung
Großeltern verbinden die Enkel mit ihrer Geschichte: durch Familienerzählungen, Traditionen, Überzeugungen und die Erinnerung an die Anstrengungen und Errungenschaften, die ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln. Diese Weitergabe von Identität – „wer wir sind“ und „woher wir kommen“ – stärkt das Selbstwertgefühl und die Verwurzelung, die entscheidend sind, um das Leben mit Sicherheit zu meistern.
Die geteilte Erinnerung wirkt auch als Gegenmittel gegen den kulturellen Relativismus: Sie bietet stabile Kriterien und Orientierungspunkte in einer sich wandelnden Welt.
„Großeltern sind ein kostbarer Schatz, in dem die Weisheit der Jahre und die Liebe des Lebens ruhen.“
Stabile Zuneigung: Ein sicherer Hafen
Ihre ruhige und konstante Präsenz vermittelt emotionale Sicherheit, reduziert Ängste und hilft, Frustration zu tolerieren: Großeltern haben oft die Zeit und Geduld, um zuzuhören. In digitalen Zeiten ordnet ihr „langer Blick“ – weniger reaktiv, mehr reflektierend – Prioritäten und lehrt, dass Glück nicht von sofortiger Befriedigung abhängt. Die Zuneigung der Großeltern ist fordernd und liebevoll zugleich: Sie ermutigen, ohne zu überbehüten, begleiten, ohne zu übergriffig zu sein, und trösten, ohne Abhängigkeit zu fördern.
„Liebe ist das Band, das Generationen verbindet und Familien zusammenhält.“
Ergänzende Erziehung: Unterstützung, kein Ersatz
Erziehen bedeutet, Freiheit und Verantwortung in Einklang zu bringen. Großeltern können Verbündete der Eltern sein, um Gewohnheiten, Grenzen und Routinen (Zeitpläne, Aufgaben, Höflichkeit) aufrechtzuerhalten. Die erzieherische Autorität bleibt in den Händen der Eltern. Großeltern unterstützen die Entscheidungen und die Konsistenz des Haushalts, vermeiden Widersprüche und vereinbaren gemeinsame Regeln. Die beste Hilfe ist praktisch und diskret: Tugenden vorleben (Dankbarkeit, Anstrengung, Respekt), Geschichten mit moralischem Zweck teilen und Neugier sowie das Lesen fördern.
„Das Wissen um unsere Herkunft gibt uns die Kraft, unser eigenes Leben zu gestalten.“ – Maya Angelou
Intergenerationale Brücken: Dialog und Kultur
Großeltern öffnen Fenster zur Vergangenheit und zur Gegenwart: Sie lehren Handwerke, Spiele, Rezepte, Lieder und auch, wie man ohne Bildschirme kommuniziert und respektvoll diskutiert. Sie können die Enkel in die alltägliche Schönheit einführen (beobachten, danken, erschaffen), wodurch Aufmerksamkeit, Staunen und kreatives Denken gefördert werden. Gemeinsam verbrachte Zeit (Spaziergänge, Gartenarbeit, Kochen, Basteln, Vorlesen) bildet ohne „Unterricht“: Es ist eine stille Methode des bedeutungsvollen Lernens.
„Die Weisheit eines Großelternteils ist der Kompass, der die Familie auf ihrem Weg führt.“
Unterstützung bei der Vereinbarkeit: Nähe, die entlastet
In Familien mit aktiven Berufsleben erleichtern Großeltern die Logistik und Betreuung (Abholen, Snacks, Nachmittage zu Hause), ohne dass das Zuhause zur „Kindertagesstätte“ wird.
Die Unterstützung sollte vereinbart und realistisch sein: helfen, ohne zu „retten“, betreuen, ohne „freie Bahn“ zu gewähren, und die von den Eltern festgelegten Kriterien zu Gesundheit, Bildschirmzeit und Zeitplänen respektieren.
Koordination und Kommunikation vermeiden Spannungen und stärken das Familienbündnis.
„Die Liebe eines Großelternteils ist bedingungslos und zeitlos – ein Geschenk, das nie vergeht.“
Besonnenheit bei Grenzen: Lieben, ohne zu entmachten
Vier häufige Fehler vermeiden:
- Den Eltern vor den Kindern widersprechen.
- Abwerten („zu meiner Zeit…“ als Urteil, nicht als Lernmöglichkeit).
- Disziplin durch ständige Belohnung ersetzen.
- Hilfe in Kontrolle verwandeln (ohne Rücksprache entscheiden).
Drei goldene Regeln:
- Kohärenz: Gleiche Grundbotschaften und Regeln.
- Respekt: Das letzte Wort in Erziehungsfragen haben die Eltern.
- Demut: Erfahrung als Unterstützung, nicht als Maßstab.
Großeltern in der digitalen Ära: Affektive Bildung und Urteilsvermögen
Sie können „digitale Intimität“ lehren, analog zur Intimität des Zuhauses: Privatsphäre, Respekt, Achtsamkeit für den eigenen Körper und die Zeit.
Sie fördern kritisches Denken gegenüber Inhalten (Pornografie, Gewalt, Banalisierung): Sie helfen, zwischen Unterhaltung und Kultur, zwischen Vergnügen und Gutem zu unterscheiden. Der beste elterliche Filter ist Präsenz: gemeinsames Essen, Gespräche, Lesen und Spielen; sie bieten attraktive Alternativen zur zwanghaften Bildschirmnutzung.
Großeltern und Werte/Glaube: Wurzeln, die nähren
Wenn die Familie einen Glauben lebt, können Großeltern ihn durch Beispiele, Geschichten und einfache Rituale (Feste, kurze Gebete, Werke der Barmherzigkeit) weitergeben. Kohärenz – nicht Moralisieren – ist die überzeugendste Sprache: das alltägliche Leben von Großzügigkeit, Vergebung, Geduld und Dienst.
Großeltern und Jugend: Gelassene Stärke und geduldiges Zuhören
In der Jugendphase helfen Großeltern, zu „entdramatisieren“: Sie trennen das Wesentliche vom Nebensächlichen, bieten Perspektive und geben Hoffnung.
Sie üben „positive Frustration“: Sie ermutigen Anstrengung, belohnen Beharrlichkeit und ersetzen Schmerz nicht durch sofortige Befriedigung. Ihre Rolle ist die eines „bedeutsamen Erwachsenen“: verfügbar, vertrauenswürdig, nicht aufdringlich.
Praktische Schlüssel für die Beziehung Schwiegereltern-Eltern
- Respekt vor der Autonomie des neuen Haushalts.
- Klare und freundliche Kommunikation (Erwartungen, Grenzen, Hilfen).
- Gegenseitige Dankbarkeit und Anerkennung.
- Kein Wettbewerb um die Zuneigung der Kinder.
- Flexibilität bei Veränderungen und Phasen (z. B. Geburten, Umzügen und Krisen).
- Bewunderung kultivieren: das Gute im Anderen sehen und aussprechen.
Fazit
Ein guter Großelternteil ist nicht derjenige, der „rettet“ oder „verwöhnt“, sondern der, der die Familie mit Zeit, Erfahrung und treuer Liebe stärkt, leitet und verschönert. Ihre Präsenz ist eine Schule der Identität, Zuneigung und Sinnstiftung; eine stille Kraft, die Vergangenheit und Zukunft in den Alltag integriert. Wenn Großeltern ihre Rolle mit Besonnenheit, Kohärenz und Zärtlichkeit ausüben, wird die Familie menschlicher, freier und glücklicher.
Reflexionsfragen
- Wie können Großeltern in Ihrer Familie eine unterstützende Rolle einnehmen, ohne die elterliche Autorität zu untergraben?
- Welche Traditionen, Werte oder Geschichten aus Ihrer eigenen Familiengeschichte könnten Sie an die nächste Generation weitergeben, um Identität und Zusammenhalt zu stärken?
- Wie kann die Beziehung zwischen Großeltern, Eltern und Enkeln so gestaltet werden, dass sie gegenseitigen Respekt, klare Kommunikation und gemeinsame Ziele fördert?
Autor
Dr. Karl-Maria de Molina
CEO & Co-Founder ThinkSimple.io
Projektleiter und Vorstand Family Valued
Weitere Information im Buch: „Die Renaissance de Familie“https://backup.hellas-media.gr/renaissance-der-familie/

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